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11.02.2020

„Eine Verdopplung der Frauenzahl? Es gibt Hoffnung“

Yurda Burghardt, Geschäftsführerin Kerkhoff Experts, über Mangelberufe – und warum dort das Geschlecht zur Nebensache geworden ist.

Industriemagazin: Wie ist es um den Vormarsch von Frauen in klassische Männerdomänen in der Industrie bestellt?

Yurda Burghardt: Frauen in MINT-Berufen machten 2018 rund 15 Prozent aller Beschäftigten aus. Der Anteil an Absolventinnen von MINT-Fächern lag laut einer IHS-Studie im gleichen Jahr in Österreich bei etwa 36 Prozent. Es gibt also Grund zur Hoffnung, dass sich in wenigen Jahren die Anzahl der Frauen in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen verdoppelt. Vorausgesetzt alle Absolventinnen steigen danach tatsächlich in den Beruf ein.

Haben Sie eine Erklärung dafür?

Burghardt: Grund für die positive Entwicklung sind viele verschiedene Initiativen und Projekte. Um den weiblichen Nachwuchs für technische Berufe zu begeistern, gibt es bspw. den Girlsday. Hier bekommen junge Schülerinnen einen frühen Einblick in MINT-Berufsfelder. Oder es werden Stipendien und Praktika an interessierte Frauen an MINT-Studiengängen vermittelt. Und da das Thema „weibliche Vorbilder“ eine große Rolle für junge Mädchen spielt, gibt es verschiedene Netzwerke von Frauen für Frauen.

Denken Unternehmen im Recruiting bereits hinreichend um?

Burghardt: In Österreich sind bis zu 20 Prozent der hochqualifizierten MINT-Stellen unbesetzt, in Deutschland sogar 60 Prozent. Aufgrund dieses Fachkräftemangels spielt für die meisten Unternehmen das Geschlecht keine Rolle mehr. Für die meisten Unternehmen sind Kompetenzen und Persönlichkeit ausschlaggebende Kriterien, wenn es um die Gewinnung neuer Mitarbeiter/innen geht. Einige Unternehmen würden gern ihre Vakanzen in den technischen Positionen bevorzugt mit Frauen besetzen. Sie wissen, dass es vergleichsweise wenige Frauen in diesen Disziplinen gibt, aber die, die sich dafür interessieren, sehr gut sind.

Was sagt etwa die Kognitionspsychologie über die Arbeitseffizienz in gemischten Teams?

Burghardt: Beide Geschlechter haben unterschiedliche Stärken und Kompetenzen, die in Mixed Teams synergetisch genutzt werden können. Studien belegen, dass gemischte Teams in Vorstandsetagen zu höheren Leistungen führen. Der Entscheidungsfindungsprozess ist gegebenenfalls aufwendiger und länger, weil in heterogenen Teams unterschiedliche Perspektiven und Meinungen diskutiert und verhandelt werden. Aber gerade die Pro- und Contra-Abwägung führt zu besseren Entscheidungen und erhöht die Qualität der Ergebnisse.

Industriemagazin 02/2020

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