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15.09.2011

Einkäufer im Markt

Das Thema „Compliance“ genießt in deutschen Unternehmen durchaus einen hohen Stellenwert, vor allem der Einkauf steht unter verschärfter Beobachtung. Allerdings haben sich noch längst nicht alle Unternehmen eine Compliance-Richtlinie gegeben und nur eine Minderheit verfügt über ein Compliance-Managementsystem. Dies geht aus einer aktuellen Studie des Instituts für Demoskopie in Allensbach hervor, die im Auftrag der Einkaufsberatung Kerkhoff Consulting und der Anwaltskanzlei Kerkhoff Legal durchgeführt wurde und die Dow Jones Einkäufer im Markt vorab in Auszügen vorlag.

Die Meinungsforscher von Allensbach interviewten im April dieses Jahres rund 250 Entscheider größerer Unternehmen — mit mindestens 250 Beschäftigten oder 50 Mio EUR Jahresumsatz und mehr — zu der Bedeutung, die Compliance für die Firmen hat. 55% der Befragten kamen aus dem produzierenden Gewerbe, knapp ein Drittel (32%) waren Dienstleister und der Rest war im Handel bzw. anderen Sektoren tätig.

Eine große Mehrheit (81 %) stuft die Relevanz von Compliance als mehr oder weniger hoch ein, nur 19% halten dieses Thema für vernachlässigbar. Auffällig ist, dass Unternehmen mit einem Umsatz von 250 Mio EUR und mehr dem Thema eine höhere Bedeutung beimessen als Firmen, die unter dieser Umsatzmarke liegen (89% gegenüber 71%). Letztere geben auch deutlich häufiger an, der Stellenwert von Compliance sei für sie gering (25% gegenüber 11% bei großen Firmen).

Das gleiche Muster zeigt sich auch bei der Frage nach der Existenz einer expliziten Compliance-Richtlinie im Unternehmen. Insgesamt 58% der Befragten verfügen über eine solche Richtschnur, große Unternehmen aber doppelt so häufig wie kleinere (76%/38%). Noch deutlicher ist der Unterschied, wenn es um ein systematisches Compliance-Management geht: 54% der Großunternehmen haben ein Compliance-Managementsystem oder planen dessen Einführung, in kleineren Betrieben ist dies nicht einmal ein Drittel (31%). „In mittelständischen Unternehmen klafft beim Thema Compliance offenbar noch eine große Lücke zwischen Erkenntnis und Handeln“, kommentierte der Kerkhoff-Gründer und Geschäftsführer Gerd Kerkhoff diese Zahlen.

Die Compliance-Skeptiker schrecken vor allem vor dem Aufwand zurück, den die Einführung eines Compliance-Managementsystems ihrer Ansicht nach bedeuten würde (52%). Und der andere Grund für die bislang geübte Abstinenz lautet schlicht: „Das war bisher kein Thema für uns“ (38%). Diese Einstellung ist fahrlässig, betont Sabrina Keese: „Unternehmen sind gut beraten, Compliance-Risiken ernst zu nehmen und nicht abzuwarten, bis es zu spät ist“, sagte die Rechtsanwältin bei Kerkhoff Legal im Gespräch mit „Einkäufer im Markt“. Sie verweist auf Beispiele von Kartellrechtsverstößen, bei denen die verhängten Kartellstrafen an die wirtschaftliche Substanz der beteiligten Unternehmen gegangen sind.

Einkauf ist Risikofaktor Nummer 1

Das größte Risiko von ComplianceVerstößen besteht der Allensbach-Umfrage zufolge im Einkauf (76%), gefolgt vom Vertrieb (70%) und der Finanzabteilung (69%). Dabei zeigt sich, dass insbesondere die befragten Industrieunternehmen die Einkaufsabteilung als neuralgische Stelle wahrnehmen. 88% halten den Einkauf für diejenige Unternehmensfunktion, die aus Compliance-Sicht besonders wichtig sei. Um Compliance sicherzustellen, setzen die Firmen in erster Linie auf das Vier-Augen-Prinzip — wichtige Entscheidungen dürfen nicht von einer Person allein gefällt werden — sowie auf ein Qualitätsmanagementsystem (96% bzw. 90% der Befragten). Als wichtigste Themen für ein Compliance-Management werden der Umgang mit vertraulichen Geschäftsdaten, Korruption und wettbewerbswidrige Absprachen genannt. Speziell aus Einkaufssicht interessant: Einen Lieferantenkodex, der die Zulieferer auf die Einhaltung der vom Kunden vorgegebenen Regeln verpflichtet, haben nur 44% der Umfrageteilnehmer (55% der großen, 31 % der kleineren Firmen).

Für Compliance-Verstöße ist meist der Vorgesetzte verantwortlich

Der Studie zufolge verteilen fast alle Unternehmen, die über eine Compliance-Richtlinien verfügen, diese an ihre Mitarbeiter. Knapp drei Viertel bieten spezielle Trainings an, damit sich die Belegschaften mit der Anwendung der Richtlinie vertraut machen können. 58% verpflichten ihre Mitarbeiter per Arbeitsvertrag, sich über die Compliance-Grundsätze des Unternehmens auf dem Laufenden zu halten. Nur eine Minderheit der befragten Firmen (24%) verfügt über ein formelles Verfahren, um ComplianceVerstöße zu ahnden, die Mehrheit (54%) entscheidet von Fall zu Fall und der Rest verfolgt eine Null-Toleranz-Politik. Verstößt ein Mitarbeiter gegen die Richtlinien, muss sich bei einer Mehrheit (54%) der Vorgesetzte dafür verantworten. In 16% der Fälle gilt dies ausdrücklich nicht und 28% sagen: „Es kommt darauf an“.
Mark Krieger

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